Die „Minas Gerais“-Klasse war Brasiliens Versuch, Anfang des 20. Jahrhunderts wieder eine der stärksten Seemächte Südamerikas zu werden. Im Oktober 1904 wurden 28 Kriegsschiffe genehmigt, wovon drei Schlachtschiffe waren. Der Bauauftrag wurde nach England vergeben und der Bau der Schiffe auch begonnen, als 1906 die britische „Dreadnought“ fertiggestellt wurde, was den brasilianischen Entwurf über Nacht veralten ließ. Die bereits begonnenen Rümpfe wurden wieder abgebrochen und die Pläne völlig überarbeitet. Heraus kam ein größeres und schnelleres Schiff mit einer noch größeren Hauptartillerie als ursprünglich geplant. Dadurch konnten nur zwei Schiffe gleichzeitig gebaut werden. Das dritte, das danach auf Stapel gelegt wurde, wurde aus politischen, militärischen und wirtschaftlichen Gründen als „Sultan Osman I.“ an die Türkei verkauft. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges beschlagnahmte Großbritannien das Schiff und stellte es unter dem Namen „Agincourt“ in Dienst. Da Brasilien nach dem Krieg einen Rückkauf ablehnte, wurde es am 19.12.1922 zum Abbruch verkauft.